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Friesenmagie

Friesen. So nennen sich heute nur noch wenige Menschen, und noch weniger sprechen oder verstehen das alte Friesisch. Die Erwachten folgen fast vollständig der eigenen Tradition und verlassen nur selten die Heimat und Gemeinschaft.

Dabei ist das „Friese sein“ weniger eine Frage der Gene, sondern vielmehr der kulturellen Herkunft und des persönlichen Zugehörigkeitsgefühls zur Gruppe. Ein Friese lebt mit den Gezeiten, dem Wandel des oft grausamen Meeres und den Unwägbarkeiten der heute toxischen Heimat. Von der Nordseeküste der Vereinigten Niederlande bis hoch zu den letzten Ausläufern des Wattenmeeres bilden selbsternannte Friesen offene Dorfgemeinschaften und richten sich ihr Leben ein, so gut es geht. Jeder ist willkommen, und wer in sich selbst friesisches Blut zu spüren glaubt, wird darin nie angezweifelt werden. Der Zusammenhalt ist eng, man hilft und stützt sich auch im Privatleben. Wer die Gruppe verrät, wird ausgestoßen und darf nie wiederkommen. Weitere Rachegelüste lohnen sich nach friesischer Einstellung selten.

Anders als bei den deutlich zahlreicheren Wattsuchern in der Umgebung richtet sich der friesische Blick immer nach vorne. Was kann man machen, um das Leben zu verbessern? Welche neue Technik ist es wert, probiert zu werden? Lohnt es sich, an dieser alten Sache festzuhalten? Schon Stillstand wird als gefährlich betrachtet, schließlich formt das Wasser das Land jeden Tag gänzlich neu. Traditionen werden daher ebenfalls ständig neu angepasst. Was auf Besucher merkwürdig wirken kann, wenn man etwa Bilder der Baduhenna, einer friesischen Gottheit, auf angeschwemmte Schiffsteile ritzt, um die Siedlung zu schützen – und das Ganze mit einem synthetischen Tee begießt, der im modernen Hochleistungskocher bereitet wurde. Nicht zu vergessen die nachgearbeitete friesische Tracht, die es natürlich auch in Trollgrößen gibt.

Friesenmagie verbindet die Heimatliebe und Landverbundenheit der Friesen mit Relikten ursprünglicher Glaubenstraditionen, einem Schuss Esoterik und viel pragmatischer, norddeutscher Lebenseinstellung. Man bedient sich an keltischen Ideen, römischen Überlieferungen und Rekonstruktionen aus dem Hexentum. Im Zentrum steht das Land, auf dem man lebt, und das Wasser des Meeres, das Segen oder Fluch bringt. Der Kampf für ein besseres Leben und der Schutz vor den Naturgewalten sind die Grundpfeiler. Darum sind viele Friesen zwar an Politik und Umweltschutz interessiert, halten das Engagement dort jedoch für Zeitverschwendung, da sich zu wenig bewegen lässt. Die meisten Friesenmagier stellen ihre Fähigkeiten in den Dienst ihrer Gemeinschaft und sind hoch angesehen. Magie gilt als wunderbare Gabe und sollte genutzt, nicht verschwendet werden.

Außerhalb ihres Stammgebietes fühlen sich Friesen oft verloren. Durch ihr großes Anpassungsvermögen können sie zwar in jeder Region das Beste aus ihrem Leben machen und sich in die Gesellschaft einßnden. Sie wollen es nur nicht. Zu Hause ist es eben am Schönsten.